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Die Perfektion des Inperfekten

Seit Anbeginn der Zivilisation wurde der Mensch durch seinen Schaffensdrang zu immer neuen Höchstleistungen getrieben und egal auf welchem Gebiet, das Ziel war immer dasselbe: Perfektion. Dieser ebenso undefinier- wie unerreichbare Begriff ist Sehnsucht und Qual zugleich. Ihn immer wieder scheinbar noch so knapp verfehlt zu haben hat im Laufe der Jahrhunderte wohl nicht wenige Meister zur Verzweiflung getrieben, doch können wir sehr froh sein, dass dieser Zustand für alle Zeiten unerreicht bleiben wird, denn würden wir, in welcher Art und Weise auch immer, diesen erreichen, wäre dies das Ende allen Schaffens, aller Kreativität und jegliche Strebsamkeit würde erlöschen und mit ihr wohl früher oder später der Mensch selbst.

Die Perfektion ist Fluch und Segen zugleich und in unserer heutigen Zeit, welche uns schier grenzenlose technische Möglichkeiten bietet, sind wir ihr scheinbar näher denn je und dennoch weit entfernt wie selten zuvor. Diese Widersprüchlichkeit offenbart sich sehr deutlich in meiner Arbeit. So ist eine moderne Quarzuhr ohne Zweifel ob ihrer Genauigkeit und Zuverlässigkeit ein technisch beeindruckendes Instrument, welches zu dem noch konkurrenzlos günstig zu produzieren ist, doch diese scheinbare Überlegenheit ist auch gleichzeitig der Hemmschuh, welcher ihr den Zutritt in die Herzen der Menschen verschließt. Der Mensch selbst kann nie perfekt sein und so sucht er selbst auch Gegenstände, welche zwar nach Perfektion streben, sie jedoch bewusst nicht erreichen. Die mechanische Uhr ist das ideale Beispiel hierfür. Scheinbar technisch überholt, unnötig aufwendig in der Produktion und in den meisten Fällen weit entfernt von der Genauigkeit einer Quarzuhr. Diese Mängel erlauben es nun dem Uhrmacher seine ganze Kraft in deren Beseitigung zu legen. Auf diesem steinigen Weg zur Vollendung seines Meisterwerks ist er gezwungen über sich selbst hinauszuwachsen. Natürlich kann man eine rein der nackten Funktion unterworfene Uhr bauen, doch hier hat die mechanische Uhr der Quarzuhr nichts entgegenzusetzen und so muss sie auf einem anderen Feld in Aktion treten und ihr eigentlicher Zweck rückt in den Hintergrund. Aus dem Techniker wird ein Erfinder, Entdecker und Künstler. Die Uhr selbst wird Abbild seiner Gedankengänge, zeigt nicht nur die Zeit an, sondern trägt ein Stück ihrer Zeit in die Zukunft und wird mehr und mehr von der Maschine zum Kunstwerk. Die Möglichkeiten, welche sich dabei dem Uhrmacher stellen sind praktisch unbegrenzt. Ob als großes Ganzes betrachtet, wenn eine Uhr einem Raum erst zu seiner ganz besonderen Atmosphäre verhilft, oder im kleinen, wenn man bei genauer Betrachtung sieht, wie detailverliebt und manchmal auch versessen der Uhrmacher unzählige Stunden an kleinen unscheinbaren Details gearbeitet hat.

All dies erhebt die Uhr von der kalten Maschine zu einem scheinbar lebenden Wesen – einem beseeltem Gegenstand. Die Geräusche, die stetige Bewegung und die stoische Zuverlässigkeit – Konstanten in einer sich stetig wandelnden Welt. All dies vermag eine Quarzuhr nicht, und dies macht sie aus - die alsolute Perfektion der Inperfektion!

 

 


Bernhard Wagner, Uhrmachermeister
Oberndorf 24, 3820 Raabs an der Thaya, 0676 / 7584726, info@uhrmacherkunst.at

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